LT OBERAARGAU - BILDER UND BERICHTE

Neue Oberaargauer Tracht - die Präsentation

Dienstag, 6. Juni 2017 im Schlosshof in Wangen an der Aare


 

Die Oberaargauer Tracht lebt wieder auf! In einem wahrlich würdigen Rahmen wurde die neue Oberaargauer Tracht im Sinne einer Identitätsfindung für eine Region, vorgestellt. Bei Sonnenschein, jedoch eher kühlem Wetter trafen sich der Regierungsstatthalter, Vertreter der Gemeinde, Projektteam, Vertreterin der Berner Trachtenvereinigung, Vertreterin LT Oberaargau, Trachtenberaterinnen LT Oberaargau und LT Oberland, Model, Sponsoren und Medienvertretung im Schlosshof in Wangen an der Aare. Begrüsst wurden wir von Ueli Liechti, Projektleitung (Lehrer und Musiker), der zugleich die Präsentation leitete und jeweils von Thomas Aeschbacher an der Handorgel zum Gesagten begleitet wurde. "Es war einmal eine Idee..."- so begann Ueli Liechti den Werdegang des Projekts zu erläutern. Und wie sich ein Projektteam mit Silas Bitterli (Art Designer), Jasmin Hugentobler (Schneiderin) und Beat Kobel (Trachtenatelier) zusammenfanden. Von dem Gedanken getragen, Tradition aufleben zu lassen, auf spezielle Art die Zugehörigkeit zum Oberaargau zu zeigen. Der Verein "Identität Oberaargau" unterstützt dieses Projekt.

 

Nach einigen Aufrufen, wer noch eine alte Oberaargauer Tracht besitze, fand sich längere Zeit niemand, bis sich Silvia Fuhrimann TG Rohrbach erinnerte und die bald siebzig jährige Oberaargauer Tracht am Präsentationstag zeigte.

 

1933 wurde die Oberaargauer Tracht das erste Mal erwähnt. Dass sie mit der Zeit aus dem Bewusstsein verschwand, mag verschiedene Gründe haben. Das Aufkommen der Berner Ausgangstracht und die Gotthelftracht trugen wohl auch dazu bei. Beat Kobel erinnert sich, 1969 letztmals eine Oberaargauer Tracht angefertigt zu haben. Der Unterschied zwischen Berner Ausgangstracht und der Oberaargauertracht ist minim. Speziell an der Oberaargauertracht ist wohl, dass die Tracht zwei Trachten ersetzt: im Sommer Kittel (Jippe) aus Wollstoff, Mieder und Hemd mit weiten Ärmeln, im Winter weisses Gstältli (ärmellose Bluse), darüber Futtergstältli mit langen Wollstoffärmeln, Kittel und Mieder wie im Sommer. Eine Bluse aus pflegeleichtem Material wie Leinen oder Tery-Leinen und Handstickerei. Typisch für die Oberaargauer Tracht mittig vorne und rings um den Miederausschnitt ziert ein aufgenähtes, etwa zwei Zentimeter breites schwarzes Samtband das Kleid. Und einzig, erklärte Beat Kobel, seien die eingesetzten langen Ärmel, die nur die Oberaargauertracht so hat. Die Tracht, vorgeführt von Jasmin Hugentobler, die das perfekt machte, trägt die Farbe grün/oliv (Die Farben blau, rot und schwarz sind auch möglich). Dazu passend eine handgewobene Seidenschürze. Die Anwesenden bestaunten die Tracht mit 'ah', 'oh' und 'schön'. Jasmin Hugentobler zeigte uns auch gleich mit wenigen Handgriffen die Umwandlung in die Wintertracht mit Futtergstältli mit langen Ärmel . Begleitet wurde das Ganze mit den Erklärungen von Beat Kobel, der mit Jasmin Hugentobler eben diesen Prototyp der Oberaargauertracht genäht hatte. Mit Trachtentänzen, getanzt von der TG Ochlenberg, wurde die Präsentation umrahmt. Beim Veilchen-Walzer tanzte Jasmin sogar mit - ein Neumitglied? Wer weiss...

 

Beim Apéro stiess man mit sichtlicher Freude auf das gelungene Werk an. Wiederum tanzte die TG Ochlenberg zur Freude der Anwesenden einige Tänze. Auf kleinen Tischen lagen die Stoffe und die einzelnen Arbeitsschritte zum Anfassen auf. Auch eine Powerpoint-Präsentation fehlte nicht.

 

Beat Kobel bietet im Oktober für Trachtenschneiderinnen einen Kurs an, um die Oberaargauer Tracht nähen zu können.

 

Wie weiter? Der Prototyp sollte wandern, gemeint in verschiedenen Gemeinden ausgestellt werden. Zuerst in Wangen im Schloss und dann in einer anderen Gemeinde im Oberaargau. Am Kantonalen Jodlerfest in Wangen 2018 hoffen die Initianten, die eine oder andere Oberaargauertracht zeigen zu können.

 

Zum Abschluss wurde allen, die sich eingesetzt und viel Zeit in dieses Projekt investiert hatten, aufs herzlichste gedankt.

 

Text und Foto: Ruth Frey