Pressebericht

Trachtenleute tanzten bis spät in die Nacht - das Volkstanzfest

Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch, 4. Juli 2019


 

 Trachtenleute tanzten bis  spät in die Nacht hinein 

 

 

 

Am Bernischen Trachtenfest wurde an verschiedenen
Plätzen getanzt.
Einige Gruppen aus dem Emmental zeigten im
Festzelt auf dem Pferdemarkt ihr Können.  

 

 

An langen Tischen fächeln sich die Zuschauer Luft zu oder genehmigen sich einen kühlen Schluck. Soeben beendet die Trachtengruppe Grosshöchstetten ihren dritten Tanz «I dr Bärghütte». Sie ist die zehnte von insgesamt zwölf Gruppen aus der ganzen Schweiz und die erste aus dem Emmental, die am Samstagnachmittag ihren Auftritt hat. Schon stehen die nächsten Tänzerinnen und Tänzer bereit. Eine Schar Mädchen und Buben, schön herausgeputzt in Tracht und Chüejermutz, bringen sich in Position. Es sind die Jüngsten der Kindertanzgruppe Biglen und zwischen vier bis sieben Jahre alt. Scheue Blicke verraten, dass einigen die vielen Zuschauer nicht ganz geheuer sind. Doch als die Volksmusik Hutätä einen Marsch anstimmt, hüpfen und drehen sich die Kinder gekonnt und erwecken «Ds Guggernäscht» zum Leben. 

 

Jungs in der Minderheit

Die Kindertanzgruppe Biglen ist in drei Altersstufen eingeteilt. Jede hat für das grosse Fest in Langnau einen Tanz eingeübt. Von besonderer Bedeutung für die mittlere Gruppe der Acht- bis Elfjährigen, aber noch wichtiger für eine der Leiterinnen, ist der Tanz «Ar Solätte ds Burgdorf». Naira Ruch hat ihn vor einem Jahr selber choreographiert und mit den Kindern einstudiert. 

Frauen und Mädchen sind beim Trachtentanzen eindeutig in der Mehrheit. Doch es gibt sie, die Jungs, die gerne mitmachen. Darunter Teenager wie Adrian und Florian sowie die Brüder Roman und Marc. Was fasziniert sie am Tanzen? Die Musik sei cool oder es sei ein schöner Brauch, sagen sie. Die meisten sind bereits mit der Tradition aufgewachsen, sei es, weil der Vater jodelt oder die Mutter tanzt. 

Tanzvorführungen gibt es an diesem ersten Tag des Trachtenfestes nicht nur auf dem Pferdemarktplatz, sondern auch auf dem Bären- und auf dem Viehmarktplatz. Viele im Publikum sind in der Tracht erschienen. Darunter vier gutgelaunte Frauen der Trachtengruppe Oberhasli. Sie seien nur zum Geniessen gekommen, sagen sie. Die Tracht ziehen sie gerne an, nicht nur an Festen. «Ich trage sie auch beruflich», meint eine der Frauen: Sie arbeite im Freilichtmuseum Ballenberg.
 

Das Schweizerische Volkstanzfest

Gleichzeitig mit dem Bernischen Trachtenfest findet das Schweizerische Volkstanzfest statt. Bis spät in die Nacht hinein kann man an zwei Standorten das Tanzbein schwingen: Auf dem Sekundarschulhausplatz sowie in der Ilfishalle. Vier verschiedene Musikgruppen spielen abwechselnd zum Tanz auf, darunter das Ämmitaler Ländlerquintett. Volkstänze tanzt man in Gemeinschaft, nicht als Paar. Dazu muss man die entsprechenden Schritte jedoch beherrschen, sprich, vorher in der Trachtengruppe geübt haben. Eine Zuschauerin erklärt: «Wer einen Tanz kennt, macht mit, wer den Tanz nicht kann, verlässt die Tanzfläche vorübergehend.» Bekannte Stücke wie «Der Nagelschmied» ziehen entsprechend viele Leute an. Eine gute Gelegenheit, mit Gleichgesinnten aus der ganzen Schweiz in Kontakt zu kommen. Manchmal gar mit nachhaltiger Wirkung, wie eine Frau erzählt: «Ich habe so meinen Mann kennengelernt!» 

 

 

Singen und Tanzen trotz Sommerhitze

Er empfinde eine grosse Dankbarkeit, sagt Hansruedi Spichiger, OK-Präsident des Bernischen Trachtenfestes. «Wir hatten nebst bestem Wetter das Glück, dass das gesamte Fest ohne grössere Komplikationen oder Unfälle ablief. Nur eine einzige Person musste wegen eines Schwächeanfalls ins Spital gebracht werden, sie konnte aber kurz darauf wieder am Fest teilnehmen.» Rund 3000 Trachtenleute und 550 Kinder und Jugendliche liessen sich von den hochsommerlichen Temperaturen nicht aufhalten und sangen und tanzten auf den diversen Schauplätzen in Langnau. «Wir durften durchwegs positive Rückmeldungen entgegennehmen. Das gute Gelingen des Anlasses ist nebst dem unermüdlichen Einsatz der Ressortsverantwortlichen auch den vielen freiwilligen Helfern zu verdanken», resümiert der OK-Präsident.

 

Besucherzahl schwer abzuschätzen

Es sei ausserordentlich schwierig, bei einem dezentralen Fest die Besucheranzahl zu schätzen, hält Hansruedi Spichiger fest. Das grenze fast an Kaffeesatz lesen. «Wichtiger als eine Zahl nennen zu können ist für uns, dass wir mit dem Fest unser Ziel – die Gemeinschaft zu pflegen – erreicht haben.»