Pressebericht

In der Gruppe statt zu Zweit

Berner Zeitung BZ, 18. Juni 2019


In der Gruppe statt zu zweit

Sieht man Trachtenleute tanzen, tun sie das immer in der Gruppe. Wieso? Das wollten wir mit Blick auf das grosse Fest in Langnau wissen.

 

Für Laien ziemlich verwirrend: So werden Volkstänze aufgeschrieben. 



  Für Laien ziemlich verwirrend:
  So werden Volkstänze aufgeschrieben.

  (Bild: Beat Mathys)

 

Trachtenleute im In- und Ausland tanzen in der Gruppe. Linedancer tun es, wie der Name schon sagt, in einer Linie. Und auch die Stepptänzer aus Irland, die vor einiger Zeit für Furore sorgten, bewegen sich in genauen Formationen. Woher kommt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl?

Die Frage geht an Danielle Zaugg, sie ist unter anderem Co-Präsidentin der Tanzkommission in der Bernischen Trachtenvereinigung. «In früheren Zeiten war es Männern und Frauen untersagt, als Paar zu tanzen», erklärt sie. Nicht nur in der Schweiz, sondern in weiten Teilen Europas. Also habe man sich in Gruppen zusammengetan und so der Freude an der Bewegung zur Musik gefrönt. «Das ist so geblieben, bis heute.» Danielle Zaugg spricht denn auch nicht von Trachten-, sondern von Volkstanz.

 

Von mündlich zu schriftlich

Die Figuren und Formen wurden lange Zeit mündlich überliefert. In den 1930er-, 1940er-Jahren haben die Leute der Trachtenvereinigung begonnen, die Tänze aufzuschreiben. Wer der Sache nicht kundig ist, wird mit den Zeichen und Worten der dafür verwendeten Tanzschrift nicht viel anfangen können. Aber dafür gibt es ja Kurse.

In der letzten Zeit, sagt Danielle Zaugg, hätten sich die Tänze sehr entwickelt. Hatten sie früher in der Regel drei Teile, sind es heute vielfach mehr, die Choreografien wurden komplizierter, und es ist nicht mehr einfach so möglich, mitzumachen. «Oft sind das Showtänze, die man für eine Aufführung lernt. Im Gedächtnis bleiben sei einem aber nicht.»

 

Modern ist gut, aber...

Natürlich hat Danielle Zaugg nichts gegen diese Modernisierung, schliesslich müsse man jüngeren, ambitionierten Mitgliedern in den Vereinen etwas bieten. Sie hat aber auch eine klare Vorstellung davon, was Volkstanz ist: «Wenn jemand ein-, zweimal zuschauen und dann mitmachen kann.» Voraussetzung sei aber natürlich schon, dass Frau oder Mann nicht «zwei linke Beine habe». Sie findet, «das eine tun und das andere nicht lassen» sei ein guter Weg, moderne und traditionelle Tänze unter einen Hut zu bringen.

 

 

tanzillus.ch

Um die einfacheren Tänze wieder mehr unters Volk zu bringen, hat die Schweizerische Trachtenvereinigung das Projekt tanzillus.ch ins Leben gerufen. Am Trachten- und Volkstanzfest in Langnau werden im Zuge dessen auf dem Viehmarktplatz öffentliche Tanzproben durchgeführt, an denen jeder Mann und jede Frau teilnehmen kann.

 

Quelle: Berner Zeitung

Montag 17. Juni 2019

von Cornelia Leuenberger, (Berner Zeitung)