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Erste Trachtenschürze aus Schweizer Seide

Medienanlass, 19. August 2020


Ein emotionaler Moment für die Initianten

Der Verein swiss silk, die Trachtenberatungskommission der BTV und die traditionelle Stoff- und Bandweberei Minnotex GmbH haben zusammen die erste Trachtenschürze aus Schweizer Seide entwickelt. Mit dieser Neuerung gelingt eine Innovation zwischen Schweizer Brauchtum, traditioneller Textilindustrie und Landwirtschaft.

 

Am Anfang steht die Seidenraupe

Sie frisst Blätter des weissen Maulbeerbaumes, die immer frisch gepflückt sein müssen. Nach ungefähr 4 Wochen spinnt sich die Raupe in ein Kokon ein und die Metamophose beginnt. Nach weiteren drei Wochen ist die Metamorphose der Raupe zum Nachtfalter abgeschlossen. Der Schmetterling zerstört die Spitze des Kokons und kriecht heraus. Die Maulbeerspinner sind so degenieriert, dass sie weder fliegen noch fressen können. Ihre entsprechenden Organe sind stark zurückgebildet.

Die Falter sind sofort nach dem Schlüpfen auf die Paarung ausgerichtet, die ein Akt von bis zu zwölf Stunden sein kann. Die Männchen sterben gleich danach, während die Weibchen anschliessend sofort mit der Eiablage beginnen. Sie legen 300 bis 500 Eier ab und sterben dann ebenfalls. So beginnt der Kreislauf wieder von vorn. Doch man lässt nur so viele Falter schlüpfen, als zur Weiterzucht gebraucht werden.

Aus dem gekochten Kokon wird der Seidenfaden gewonnen (abgehaspelt), der nun weiterverarbeitet werden kann.

 





Die Seidenraupe beim Fressen  
  

 

swiss silk – die Vereinigung Schweizer Seidenproduzenten

Die Leidenschaft von Ueli Ramseier, Präsident von swiss silk, für die Schweizer Seide war spürbar, als er die Anwesenden des Medienanlasses begrüsste neben seiner Maulbeerbaumanlage in Hinterkappelen.

Mit der Vereinigung Schweizer Seidenproduzenten hat swiss silk 2009 eine Trägerschaft aufgebaut mit Vertretern der ganzen Wertschöpfungskette. Von der Produktion der Maulbeerblätter über die Aufzucht der Raupen bis zur Verarbeitung der Seide in der Textilindustrie.

 

Die Bernische Trachtenvereinigung und swiss silk

Magdalena Stranner, ein Vorstandsmitglied von swiss silk, wurde schnell einig mit Marianne Grägi, Prädidentin der Trachtenberatungskommission der BTV, eine exklusive Trachtenschürze zur Berner Sonntagstracht zu produzieren mit Schweizer Seide. In der Person von Hans-Jörg Moser von der Weberei Minnotex GmbH fanden sie den Spezialisten für Schweizer Trachtenstoffe.

Swiss silk erfüllt sich mit der Herstellung von Schweizer Seide die in Trachten verwendet wird, einen langen Traum, der jetzt wahr wird.

 





Die Initianten vor
der Maulbeerbaum-Anlage
von Ueli Ramseier
         

 

Der Seidenstoff – gewoben auf einem Jacquardwebstuhl

Der Kettfaden (Zettel) ist brasilianische Seide, gefärbt in Bernerrot. Die Schussfäden (Schuss) ist Schweizer Seide in ciel-blau und schwarz. Der Stoff wird auf einem Jacquardwebstuhl vom Minnotex GmbH computergesteuert hergestellt. Eine über 100 Jahre alte Trachtenschürze diente als Vorlage für die eingewobenen Rosen.

Warum brasilianische Seide als Kettfaden? «Die Schweizer Seide ist heute noch nicht regelmässig genug um als Kettfaden eingesetzt zu werden» erklärt Hans-Jörg Moser von Minnotex GmbH. Er ist froh, dass die Schweizer Seide erstaunlich gut zu verarbeiten ist, sowohl im Schürzenstoff, wie auch in der Herstellung von Schürzenband.

 

Die fertige Schürze – eine Pracht

Die drei Trachtenschneiderinnen Barbara Moor, Eva Orsinger und Jrene Burhalter präsentierten sich in der Berner Sonntagstracht mit der wunderschönen, speziellen Schürze aus Schweizer Seide.

Der Sonnenschein liess die silbrig-scheinenden Blumen glänzen im Wettstreit mit dem Silber der Tracht. Ein Bild kann der wirklichen Schönheit und den vielen Facetten dieses Stoffes nicht gerecht werden.

 





Die drei Trachtenschneiderinnen
in der ganzen Pracht der
Berner Sonntagstracht
 

 

Die Schürze kann exklusiv nur bei den diplomierten Berner Trachtenschneiderinnen bestellt werden ab Ende August.

 

Die Zukunft

Ueli Ramseier ist zuversichtlich, dass es nicht bei den knapp 50 Laufmetern bleiben wird. Marianne Gnägi durfte den Stoff den Fachleuten anderer Kantone vorstellen; das Interesse an Schweizer Seide ist vorhanden – es ist wünschenswert, dass dieser wunderschöne Seidenstoff auch zu anderen Trachten verwendet wird. 

Allerdings wird es rund ein Jahr dauern bis Nachschub in Form von Konkons vorhanden ist. Die Seidenraupen müssen nun täglich mehrmals gefüttert werden mit frischen Blättern des Maulbeerbaumes.

 

Weitere Informationen findest Du auf der Seite von swiss silk

 

Text: Danielle Zaugg

Fotos: Christian Moor und swiss silk